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Clemens Wieland
Seit Jahren importieren die USA mehr Güter aus dem Rest der Welt als sie exportieren. Deutschland und China haben hingegen hohe Exportüberschüsse, das bedeutet sie exportieren mehr als sie importieren. Donald Trump will das ändern. Hier erklären wir, wie es zu solchen Handelsbilanzungleichgewichten kommen kann und welche Folgen das hat.
Die Handelsbilanz eines Lands erfasst die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen. Wenn ein Land mehr exportiert als importiert, liegt ein Exportüberschuss bzw. Handelsbilanzüberschuss vor. Wird mehr importiert als exportiert, ergibt sich ein Handelsbilanzdefizit. Solche Ungleichgewichte haben drei zentrale ökonomische Effekte.

Die Menge an Waren und Dienstleistungen – kurz Gütermenge –, die ein Land in einem Jahr herstellt, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das BIP kann für Konsumzwecke genutzt werden oder für Investitionen. Investitionen sind vor allem zusätzliche Maschinen und Gebäude, die den Produktionsapparat eines Lands vergrößern.
Wenn ein Land mit anderen Ländern Handel treibt, importiert es Güter aus dem Ausland. Gleichzeitig werden Produkte ins Ausland exportiert. Beides zusammen kann den Güterverbrauch eines Lands erweitern, aber auch einschränken. Die folgende Abbildung verdeutlicht das anhand eines Zahlenbeispiels.


Wie hoch das Beschäftigungsniveau ist, hängt maßgeblich davon ab, wie viel ein Land herstellt (=wie hoch die hergestellt Gütermenge ist), denn für die Produktion werden Arbeitskräfte benötigt. Denkt noch einmal an die drei Beispiele: im Fall 1 ist das BIP 100 Euro niedriger als in Fall 2. In Fall 1 wäre also das Beschäftigungsniveau niedriger. So hat ein Exportüberschuss einen positiven Arbeitsmarkteffekt.
Bei einem Handelsbilanzdefizit (Fall 3) werden im Inland weniger Güter produziert als verbraucht. Das hat einen negativen Arbeitsmarkteffekt: Im Inland werden weniger Arbeitskräfte benötigt, weil die Güter aus dem Ausland importiert werden.
Im Fall eines Handelsbilanzüberschusses (Fall 2) nimmt ein Land durch den Außenhandel mehr Geld ein als sie ausgibt (sie verkaufen mehr Güter an andere Länder als sie einkaufen). Dieser Einnahmeüberschuss kann genutzt werden, um im Ausland Vermögenswerte zu kaufen – also z.B. Aktien oder Staatsanleihen. Ein Exportüberschuss bedeutet daher einen Vermögensaufbau. Und: Zukünftig erhält das Überschussland Dividenden- und Zinszahlungen aus dem Ausland, was die verfügbaren Einkommen der Menschen erhöht.
Bei einem Handelsbilanzdefizit wird im internationalen Handel weniger Geld verdient als ausgegeben (es wird mehr von anderen Ländern gekauft als verkauft). Dieses Einnahmendefizit wird normalerweise mit einem Kredit finanziert. Das bedeutet eine höhere Verschuldung gegenüber dem Ausland.

Grundsätzlich verursacht ein Handelsüberschuss weniger ökonomische Probleme als ein Defizit. Länder mit einem Handelsbilanzdefizit haben tendenziell eine höhere Arbeitslosigkeit und bauen zudem gegenüber dem Ausland Schulden auf.
Das gilt insbesondere, wenn es diese Defizite seit vielen Jahren gibt – so wie in den USA. Abb. 2 zeigt die Leistungsbilanzsalden von China, Deutschland und den USA. Die Leistungsbilanz enthält etwas mehr wirtschaftliche Aktivitäten als die Handelsbilanz, aber ihr größter Bestandteil ist die Handelsbilanz.
Die USA hatten 2024 mit einem Leistungsbilanzdefizit von rund 1.130 Milliarden US-Dollar das mit Abstand höchste Defizit weltweit. Das zweitgrößte Defizit gab es mit rund 123 Milliarden Dollar im Vereinigten Königreich. Die beiden Volkswirtschaften mit dem höchsten Leistungsbilanzüberschuss waren China (424 Milliarden Dollar) und Deutschland (267 Milliarden Dollar).

Für Handelsbilanzüberschüsse und -defizite werden viele Gründe genannt. Donald Trump macht für das US-Handelsbilanzdefizit u.a. unfaire Wirtschaftsbedingungen verantwortlich. Dieser Vorwurf richtet sich vor allem – aber nicht nur – gegen China. Ein Grund sind die staatlichen Subventionen, die der chinesische Staat seinen Unternehmen zahlt. Das erlaubt es chinesischen Unternehmen, ihre Produkte zu günstigeren Preisen an andere Länder zu verkaufen.
Als weitere Ursache wird der starke US-Dollar genannt. Wenn für einen US-Dollar ein Euro bezahlt werden muss, kostet ein amerikanisches Auto im Wert von 20.000 Dollar in Europa 20.000 Euro. Falls ein Dollar jedoch 1,50 Euro wert ist, kostet das gleiche Auto 30.000 Euro. Das macht es für US-Anbieter schwieriger, ihre Produkte in Europa zu verkaufen. Die Folge sind niedrigere Exporte der USA – und daraus kann ein Handelsbilanzdefizit entstehen.
Überschussländer wie Deutschland sehen in ihrem Exportüberschuss häufig ein Zeichen ihrer wirtschaftlichen Stärke. Die eigenen Produkte haben ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und werden deshalb weltweit nachgefragt. Das führt zu hohen Exporten.
Der deutsche Exportüberschuss lässt sich aber auch anders erklären: Die Unternehmen investieren zu wenig im eigenen Land, weil Deutschland kein attraktiver Investitionsstandort ist. In diesem Fall wäre der deutsche Exportüberschuss ein Zeichen der wirtschaftlichen Schwäche.
Auch wenn die genannten Größen einen Einfluss auf die Höhe des Handelsbilanzsaldos haben, ist letztendlich die Höhe der inländischen Güternachfrage entscheidend:
Wie in Abb. 2 gezeigt, sind die USA mit ihrem hohen Leistungsbilanzdefizit ein zentraler Treiber für die weltweiten Handelsbilanzungleichgewichte. Wenn das US-Handelsbilanzdefizit abgebaut werden soll, geht das nur, wenn die amerikanischen Konsumausgaben und Investitionstätigkeiten gedrosselt werden. Niedrigere Investitionen sind jedoch kaum zu erwarten – Donald Trump will durch spürbare Steuersenkungen für Unternehmen die heimischen Investitionen ankurbeln. Und ob die US-Bevölkerung zu Konsumeinschränkungen bereit ist, dürfte zweifelhaft sein. Solange der Rest der Welt bereit ist, die jährlichen Handelsbilanzdefizite der USA mit Krediten zu finanzieren, werden diese Defizite wohl weiterhin bestehen.
Umgekehrt müssten Überschussländer wie Deutschland ihre heimische Güternachfrage steigern. Das könnte z.B. dadurch geschehen, dass mehr Investitionen für die ökologische Transformation getätigt werden. Wenn deshalb mehr Güter im Inland gebraucht werden und das Konsumverhalten unverändert bleibt, kann weniger exportiert werden. Die dringend notwendige ökologische Transformation kann so einen Beitrag leisten, um Deutschlands Exportüberschüsse abzubauen.

Hinweis: Eine ausführlichere Diskussion zu diesem Thema gibt es in dieser schon etwas älteren Veröffentlichung: NW_D_Exportueberschuss_2015.pdf
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