Weltweite Handelsbilanzungleichgewichte – Warum Donald Trump sie bekämpfen will
Dr. Thieß Petersen
Die Digitalisierung hat viele Vorteile, aber auch einige negative Auswirkungen. Ein Nachteil ist das Entstehen von sogenannten digitalen Monopolen. Hier zeigen wir, was ein digitales Monopol ist und was daran problematisch ist.
Im Normalfall gibt es für jedes Produkt viele Unternehmen, die dieses Produkt anbieten. Zwischen den Anbietern herrscht dann Wettbewerb. Die Kunden können die verschiedenen Angebote vergleichen und wenn sie die Angebote aller Unternehmen als gleichwertig ansehen, entscheiden sie sich für den Anbieter, der den geringsten Preis verlangt.
Für die Verbraucher ist dieser Wettbewerb gut. Er zwingt jedes Unternehmen, seine Produktionskosten durch technologischen Fortschritt zu senken. Dadurch sinkt auch der Preis, den die Verbraucher zahlen müssen. Unternehmen, die auf kostensenkende Aktivitäten verzichten, werden von innovativen Anbietern preislich unterboten – und verschwinden deshalb vom Markt.
Um diesem Druck zu entgehen, können Unternehmen versuchen, diese Konkurrenz auszuschalten. Falls genügend Geld vorhanden ist, werden Mitbewerber aufgekauft, bis es nur noch ein Unternehmen auf dem Markt gibt. Ein Markt mit nur einem Anbieter ist ein Monopol. Der Alleinanbieter muss nicht mehr auf andere Anbieter Rücksicht nehmen.
Ein Monopol kann nicht nur durch das Aufkaufen der Konkurrenz entstehen. Es gibt bestimmte Eigenschaften von Produkten, die automatisch dazu führen, dass es auf dem Markt auf Dauer nur noch einen Anbieter gibt: eine spezielle Struktur der Produktionskosten oder eine besondere Produkteigenschaft. Beides ist bei vielen digitalen Produkten der Fall.
Ein Monopol entsteht, wenn die Herstellung eines Produkts mit sehr hohen Fixkosten und relativ niedrigen variablen Kosten verbunden ist.
Fixkosten sind die Kosten, die selbst dann anfallen, wenn keine einzige Produkteinheit hergestellt wird. Ein Beispiel sind die Entwicklungskosten eines neuen Computerprogramms oder Betriebssystems. Das kann Millionen oder sogar Milliarden Euro kosten.
Variable Kosten sind die Kosten, die von der Anzahl der hergestellten Produkteinheiten abhängen. Bei digitalen Produkten können sie sehr gering sein. Manchmal genügt ein Knopfdruck, um die Kopie eines Computerprogramms zu versenden.
Wenn Unternehmen ihren Preis festsetzen, möchten sie ihre Kosten decken, es müssen also Fixkosten und variable Kosten durch den Preis gedeckt sein.
Wenn Fixkosten anfallen, werden die Kosten, die je hergestellter Produkteinheit anfallen, immer kleiner. Grund dafür ist, dass die Fixkosten auf eine wachsende Zahl von Produkten verteilt werden kann. Damit sinkt auch Preis, der für das Produkt verlangt wird. Dabei gilt: Je höher die Fixkosten sind, desto stärker kann der Preis sinken. Bei sehr hohen Fixkosten und gleichzeitig niedrigen variablen Kosten gilt daher: Das Unternehmen, das dann die größte Gütermenge herstellt, kann einen geringeren Preis fordern als alle übrigen Konkurrenten.
Am Ende bleibt also nur noch ein Anbieter übrig. Grund dafür ist, dass die Fixkosten auf eine wachsende Zahl von Produkten verteilt werden kann. Damit sinkt auch Preis, der für das Produkt verlangt wird.

Viele digitale Produkte haben den Charakter eines sogenannten Netzwerkgutes. Das bedeutet: Der Nutzen einer bestimmten Dienstleistung hängt von der Größe des Netzwerkes ab. Je mehr Teilnehmer beispielsweise in einem sozialen Netzwerk oder einer Online-Tauschbörse anzutreffen sind, desto attraktiver ist es für Menschen, sich dem Netzwerk anzuschließen. Ein Beispiel ist im Whatsapp im Vergleich zu anderen Messenger-Apps.
Im Laufe der Zeit entscheiden sich deshalb alle Nutzer für das Unternehmen, das die meisten Teilnehmer hat. Damit bleibt langfristig erneut nur ein Anbieter am Markt bestehen.
Monopole sind aus mindestens fünf Gründen ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Problem.
Mit Blick auf die politische Macht von Monopolen ist das Verhältnis zwischen einzelnen großen US-Technologiekonzernen und Donald Trump seit dessen zweiter Amtsperiode besonders besorgniserregend.
Einige dieser Konzerne unterstützten Trumps Wahlkampf mit großen Geldsummen. Als Gegenleistung setzt sich Trump für wirtschaftliche Rahmenbedingungen in den USA und im Ausland ein, die den US-Tech-Unternehmen nutzen. Dabei übt er auch Druck auf die europäische Digitalpolitik ein. So unterstützt die Trump-Administration das Gewinnstreben der US-Tech-Unternehmen.
Bei den großen US-Tech-Unternehmen kommt erschwerend hinzu, dass sie sich meist im Eigentum ganz weniger Personen befinden, die in kürzester Zeit Milliardäre geworden sind und somit über große Geldsummen verfügen. Die meisten von ihnen waren bei der Amtseinführung von Donald Trump am 20. Januar 2025 anwesend. Diese persönliche Nähe erhöht die Gefahr einer Beeinflussung politischer Entscheidungen. Die USA drohen somit zu einer Buddy Economy zu werden, in der private und politische Interessen vermischt werden.
Monopole gibt es nicht erst seit der Digitalisierung. Die Wirtschaftspolitik verfügt daher über Instrumente, um die Macht von Monopolen zu begrenzen.
Eine zentrale Maßnahme der Wettbewerbspolitik ist die Zerschlagung eines Monopols, also die Aufteilung in mehrere Unternehmen. Das ist aber bei einem digitalen Monopol nicht sinnvoll. Eine Aufteilung von z. B. Instagram in mehrere Anbieter für verschiedene Regionen wäre nicht sinnvoll, weil damit der Vorteil der großen Teilnehmerzahlen verloren geht.
Für Europa ist es zudem schwierig, auf die weltweit tätigen Digitalmonopole Einfluss zu nehmen. Viele von ihnen sind amerikanische oder chinesische Unternehmen, was den Einfluss europäischer Wettbewerbsbehörden reduziert.
Mit Blick auf Trump und USA ergibt sich eine zusätzliche Schwierigkeit. Falls europäische Behörden versuchen sollten, die Macht der US-Tech-Unternehmen in Europa zu begrenzen, würden diese sich sehr schnell bei Trump melden. Und er würde den Europäern wahrscheinlich mit Zöllen und anderen Zwangsmaßnahmen drohen, falls sie die Macht der US-Firmen tatsächlich beschneiden sollten.
Die Frage, wie Europa angemessen auf die Marktmacht digitaler Monopole reagieren kann, wird uns also auch in Zukunft begleiten.
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