Digitale Monopole
Dr. Thieß Petersen
Immer mehr Unternehmen setzen Computer, Roboter und andere digitale Technologien ein. Seit der Einführung von ChatGPT im November 2022 hat auch die generative KI Einzug in die betriebliche Praxis gefunden. Das hat viele Auswirkungen auf unsere Wirtschaft. Die meisten Menschen interessiert dabei die Frage, welche Folgen die KI für den Arbeitsmarkt und für den eigenen Job hat. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht, aber zumindest sind Tendenzaussagen möglich.
Die voranschreitende Digitalisierung hat bereits in vielen Bereichen dazu geführt, dass Maschinen die Aufgaben von Menschen übernommen haben: Fahrkarten- und Bankautomaten ersetzen Schalterbedienstete, moderne Industrieroboter produzieren mit immer weniger menschlicher Unterstützung Produkte und die Logistikbranche arbeitet mit hoch automatisierten Einrichtungen, die nur wenige Beschäftigte brauchen.
Die bisherige Automatisierung hat vor allem einfache Tätigkeiten, für die keine allzu hohen Qualifikationen benötigt werden, ersetzt. Die künstliche Intelligenz hat hingegen das Potenzial, auch anspruchsvolle und komplexe Tätigkeiten zu übernehmen.
Bei der künstlichen Intelligenz (im Folgenden: KI) geht es im Kern darum, dass Computer und Maschinen zentrale kognitive Tätigkeiten durchführen können. Das umfasst Fähigkeiten wie logisch zu denken, Probleme zu lösen, Entscheidungen zu treffen, zu lernen und so weiter.
Die generative KI analysiert große Datenmengen, erkennt Muster und erstellt daraus neue Daten. Es geht bei der generativen KI also um Kreativität, d. h. um die Fähigkeit, neue Inhalte zu generieren. Beispiele sind die eigenständige Texterstellung durch ChatGPT, die Erzeugung von Bildern und Musikkompositionen.
Die sogenannte physical KI geht noch einen Schritt weiter. Sie kombiniert KI-Systeme mit Maschinen, Robotern und anderen Hardware-Elementen. Diese Form der KI steckt vielfach noch in den Kinderschuhen. Ein Beispiel ist die Entwicklung eines Physical-KI-Systems für humanoide Roboter, die in Schiffswerften eingesetzt werden, um in schwer zugänglichen Bereichen eigenständig Wartungsarbeiten durchzuführen.
Wegen ihrer weiter reichenden Fähigkeiten hat die KI das Potenzial, zukünftig mehr Arbeitskräfte zu ersetzen. Das sorgt bei vielen Menschen für die Befürchtung, zukünftig durch die KI ersetzt zu werden. Allerdings können auch neue Jobs entstehen.
Gegenwärtig gibt es vor allem fünf Effekte, mit denen die KI zusätzliche Arbeitsplätze schaffen kann.
Wenn der Einsatz von KI-Systemen sowohl für den Abbau von Arbeitsplätzen sorgt als auch für die Schaffung neuer Jobs, stellt sich die Frage, welche Effekte überwiegen. Bei der Beantwortung dieser Frage spielt die zeitliche Dimension eine entscheidende Rolle.
In den nächsten drei bis fünf Jahren ist zu erwarten, dass die KI mehr Arbeitsplätze schafft als sie vernichtet. Dafür gibt es vor allem drei Gründe.
Langfristig, d. h. in 10 Jahren und später, ist es durchaus denkbar, dass der Arbeitsplatzabbau der KI überwiegt. Dafür gibt es zwei zentrale Begründungen:
Wenn die KI langfristig immer mehr Arbeitsplätze ersetzt und immer weniger neue Jobs schafft, kann das in der Summe zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen.
Ob es in einem Land wegen des KI-Einsatzes langfristig zu umfangreichen Job-Verlusten kommt, hängt entscheidend davon ab, wie leistungsstark die KI im Vergleich zu anderen Ländern ist.
Wenn Deutschland zukünftig überdurchschnittlich erfolgreich beim KI-Einsatz wird, verbessert das die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen. Sie können ihre Produkte weltweit verkaufen. Das sichert Arbeitsplätze und kann sogar für zusätzliche Jobs sorgen. Falls Deutschland jedoch den Anschluss im weltweiten KI-Wettlauf verliert, setzen sich die arbeitsplatzabbauenden Effekte durch.
Schließlich ist noch daran zu denken, dass leistungsfähige KI-Systeme auch entsprechend qualifizierte Beschäftigte benötigen. Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit, Texteingaben korrekt zu formulieren, um von der KI sinnvolle Resultate zu erhalten. Weitere Aspekte betreffen die Weiterentwicklung von KI-Tools, das Trainieren von KI-Modellen und die Optimierung von KI-gestützten Prozessen, um nur einige zu nennen.
Wenn es gelingt, in Deutschland eine leistungsfähige KI-Infrastruktur aufzubauen und den Menschen die erforderlichen KI-Kompetenzen zu vermitteln, ist es auch langfristig möglich, dass die KI nicht zur Massenarbeitslosigkeit führt.
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